Was Paarberatung leisten kann
Wenn Paare zu mir kommen, sind die Themen vielfältig. Eines aber haben alle Paare gemein: Die Not ist oft groß und die Erwartungen an mich als Paarberater entsprechend hoch. Doch was kann Paarberatung wirklich leisten? Dieser Artikel gibt eine Einblick in meine Arbeit und ordnet ein, was Paarberatung realistisch leisten kann.
Im Rahmen der Paarberatung klären wir bereits ab der ersten Sitzung welche Themen das Paar umtreibt. Auch wenn jedes Paar ein bisschen anders tickt, haben sich drei Hauptgruppen herauskristallisiert:
Techniken
Unter „Techniken“ verstehe ich Hilfsmittel und Methoden, die dem Paar helfen, den Alltag besser zu strukturieren. Das können Hilfen für das Aufgabenmanagement sein („Ich hab das Gefühl, die Menge der Aufgaben ist unendlich und ich komme nicht mehr zur Ruhe“, „Mein Mann macht nicht mit!“, „Ich weiß nicht, was meine Frau alles im Kopf hat“).
Wir denken das aktuelle Problem komplett neu und machen den Lösungsraum größer. Als Leitfrage klären wir bereits in den ersten Sitzungen: „Welche Themen kommen immer wieder und nehmen viel Raum in der Partnerschaft ein?“. Meistens tauchen hier dann Begriff wir „Mental Load“ auf oder „Transparenz“ (z.B. über die Finanzen). Ich schärfe mit dem Paar die Problemstellung und stelle neue Lösungsansätze vor. Wenn das Paar diese Ideen ausprobiert, zeigt sich schnell, ob das Problem sich damit lösen oder zumindest signifikant lindern ließ.
Individuelle Themen
Für mich ist die Frage spannend „Was zieht an uns?“. Wo sind die Krafträuber, die uns auslaugen. Alles, was nicht in die Kategorie „Techniken“ passt, beleuchten wir unter dem Gesichtspunkt, ob es sich hier um eine individuelle Disposition handelt. Wenn beispielsweise einer der Partner aktuell arbeitslos ist und sehr darunter leidet, vielleicht sogar depressiv, wütend, traurig oder verbittert ist, dann ist es nicht verwunderlich, dass dies in die Partnerschaft hineinschwappt und diese beeinflusst. Dies ist nur bedingt eine Situation, in der Paarberatung helfen kann: Sinnvoll ist es, mit aller Kraft und Aufmerksamkeit das zugrundeliegende Problem zu bearbeiten (beispielsweise im Rahmen eines Jobcoaching, eines Bewerbungstrainings oder einer kompletten beruflichen Umorientierung, weil vielleicht das ursprüngliche Berufsbild gar nicht mehr existiert).
In diese Rubik gehören auch gesundheitliche Themen wie z.B. eine Depression, Schlaflosigkeit oder chronische und Autoimmun-Krankheiten: Betroffene würden hier eher von einer individuellen Psychotherapie profitieren.
Die dritte Untergruppe dieser Kategorie betrifft die sog. Glaubenssätze, die jeder Partner ggf. noch mit sich herumträgt: Gab es in der Kindheit, Jugend oder vorherigen Beziehung vielleicht eine Dynamik, die zu dem Glaubenssatz „Liebe gibt es nur gegen Leistungen“ oder „Ich muss immer alles richtig machen“ geführt haben? Vielleicht hat sich für die betreffende Person dann eine Verhaltensweise herausgebildet, die – plakativ und verkürzt gesprochen – dazu führt, dass die Person eine übertriebene Reinlichkeit im Haushalt an den Tag legt – und von anderen Familienmitgliedern auch einfordert. Dass so ständig Konflikte entstehen, ist nicht verwunderlich. Anstatt also hier an Techniken zu bearbeiten, wie der vielen (Aufräum-)Aufgaben sinnvoll begegnet werden kann, ist der Partner eingeladen, zu reflektieren, was ihn oder sie eigentlich antreibt.
Im Rahmen der Paarberatung können wir also die individuellen Themen sichtbar machen und bearbeiten – wenn auch nur in einem begrenzten Umfang. Und Achtung: Anstatt nun zu glauben „Ha, ich wusste, mein Partner ist das Problem!“ stellen Sie sich vielleicht besser die Frage: „Bin ich – unabhängig von meiner Partnerschaft – eigentlich gerade mein Bestes selbst?“. Oder – für ganz Mutige: „Wäre ich gerne mit mir selbst befreundet?“
Paarthemen
Unter diesen Abschnitt fallen Themen wie „Kommunikation“, „Konflikte“, „Erwartungen“, „Intimität“ etc. Auch bei diesen Themen sammeln wir zunächst Situationen, in die das Paar immer wieder gerät. Ich etabliere mit ein wenig humorvoller Psychoeduktation ein paar Übungen, so dass ursprüngliche Annahme im Sinne einer Mindset-Änderung neu belegt wird und sich das Gehirn neu verdrahtet. Flankierend bekommt das Paar Hausaufgaben zur individuellen und auch gemeinsamen Reflektion.
Fazit
Ich bewundere alle Paare, die sich auf den Weg zu mir gemacht haben und sich ihren schwierigen Themen stellen und sich weiterentwickeln möchte. Neben der Wissensvermittlung zur Verbesserung von Techniken und Methoden kann ich bei den o.g. typischen Paarthemen helfen. Nicht selten ist es aber auch so, dass die Reise für mindestens einen Partner nach innen führt: Die Partnerschaft wirkt so als Katalysator für die individuelle Entwicklung.